Automatische Spracherkennung: Unterschied zwischen den Versionen

Aus InfoWissWiki - Das Wiki der Informationswissenschaft
Zur Navigation springen Zur Suche springen
 
(26 dazwischenliegende Versionen von 6 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
−
'''!!! Artikel ist noch in Arbeit, bitte noch nicht verändern!!!'''
+
==Grundlegendes==
 +
[[definition::Unter automatischer Spracherkennung wird die computerbasierte Erkennung gesprochener Sprache und deren korrekte Darstellung als Text verstanden.]] Die automatische Spracherkennung (ASR, Automatic Speech Recognition) bezeichnet den rechnergestützten Prozess der Erkennung und Umwandlung gesprochener Sprache in Text. Ziel ist es, gesprochene Inhalte möglichst präzise und effizient in eine maschinenlesbare Form zu überführen. Neben der reinen Umwandlung gesprochener Sprache umfasst ASR oft auch die Interpretation und Analyse des Inhalts, um ihn für spezifische Anwendungen nutzbar zu machen. Hierbei kommt eine Vielzahl von Technologien und Algorithmen zum Einsatz, darunter Hidden Markov Modelle (HMM) und neuronale Netzwerke (Ruske, 1994, S. 1; Botsch, 2023, S. 244).
  
 +
==Probleme und Anforderungen==
 +
Die menschliche Sprache weist eine hohe Komplexität auf, die bei der automatischen Verarbeitung erhebliche Herausforderungen mit sich bringt. Diese umfassen insbesondere folgende Aspekte:
  
−
== Definition ==
+
===Kontinuität der Sprache===
−
Unter Automatischer Spracherkennung wird die computerbasierte Erkennung gesprochener Sprache und deren richtige Darstellung als Text verstanden.  
+
Gesprochene Sprache ist oft fließend, sodass klare Abgrenzungen zwischen einzelnen Wörtern fehlen. Dies erschwert es, Wortgrenzen zu identifizieren und den gesprochenen Text korrekt zu segmentieren (Ruske, 1994, S. 6).
−
Bei der Automatischen Spracherkennung geht es darum eine mündliche Aussage in einem maschinellen System äquivalent als konkreten Text darzustellen.
 
−
 
−
Allerdings spricht man von [[Automatisches Sprachverstehen|Automatischem Sprachverstehen]], wenn eine passende rechnerinterne Umschreibung generiert werden soll.
 
−
Kommando- oder Dialogsysteme bauen auf die reine Erkennungsfunktion auf und beinhalten darüber hinaus eine passende Systemreaktion zum gesprochenen Text.
 
  
 +
===Variabilität der Sprache===
  
−
== Probleme und Anforderungen ==
+
Die Aussprache eines Wortes kann stark variieren, abhängig von Dialekt, Sprechgeschwindigkeit, Tonlage und anderen Faktoren. Systeme müssen robust genug sein, um diese Variabilität zu verarbeiten, ohne an Genauigkeit zu verlieren (Botsch, 2023, S. 245).
−
Die menschliche Sprachkommunikation wirkt aus unserer Sicht einfach, doch sie besitzt Eigenschaften, die bei der Erkennung durch Computersysteme Probleme aufwerfen:
 
  
−
=== Kontinuität ===
+
Dies kann folgende Ursachen haben:
−
Bei kontinuierlicher Sprache, das bedeutet zwischen den einzelnen Wörtern werden keine deutlichen Pausen gemacht (mit Pausen zwischen den Wörtern spricht man von diskreter Sprache), sondern es wird in normaler Geschwindigkeit und Rhythmus gesprochen, entsteht ein Erkennungsproblem: die Wortgrenzen sind schwer zu definieren.
 
  
−
=== Variabilität ===
+
Zunächst ist die Sprecherabhängigkeit zu nennen. Jeder Sprecher verfügt über eigene stimmliche Merkmale, die von vielen Faktoren, wie zum Beispiel Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand, geprägt werden. Auch die Sprechweise jedes Menschen ist unterschiedlich (Tempo, Artikulation, Dialekt, etc.). Weiterhin bestehen Unterschiede in der Qualität der Aufnahme.  
−
Mündliche Sprache weist eine hohe Variabilität auf. So können starke Unterschiede beim Klang des gleichen Wortes entstehen.
 
  
−
Dies kann folgende Ursachen haben:
+
Schon früh gelang es, Systeme zu entwickeln, die in schalldichten Räumen mit hochwertigen Mikrofonen mündliche Äußerungen erkennen konnten. Doch um die automatische Spracherkennung flächendeckend nutzen zu können, gilt es auch mit einer qualitativ schlechteren Übertragung über das Telefonnetz erfolgreich zu sein und auch akustische Störquellen wie Rauschen oder auch Hintergrundgeräusche herauszufiltern.
 +
 
 +
Um das Problem der Variabilität zu lösen, muss das Erkennungsmuster, mit dem das System das Eingangssignal vergleicht, einerseits so weit gewählt werden, dass alle Realisierungen (also von verschiedenen Sprechern, in verschiedenen Tonlagen, etc.) erkannt werden. Andererseits darf dieses Muster aber auch nicht zu generell gehalten werden, um die Verwechslung mit anderen, ähnlichen Wörtern zu vermeiden.
 +
 
 +
===Umgebungsgeräusche===
 +
Hintergrundgeräusche und minderwertige Aufnahmequalität können die Erkennung zusätzlich erschweren. Fortschrittliche Filter- und Signalverarbeitungsmethoden sind erforderlich, um Störungen zu minimieren (Ruske, 1994, S. 4).
  
−
Zunächst ist die Sprecherabhängigkeit zu nennen. Jeder Sprecher verfügt über unterschiedliche stimmliche Merkmale, die von vielen Faktoren, wie zum Beispiel Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand geprägt werden.  
+
===Komplexität grosser Wortschätze===
 +
Mit zunehmender Grösse des Wortschatzes steigt der Rechenaufwand exponentiell. Daher müssen effiziente Algorithmen eingesetzt werden, um den Erkennungsprozess trotz großer Datenmengen zu optimieren (Botsch, 2023, S. 245).
  
−
Auch die Sprechweise jedes Menschen ist unterschiedlich (Tempo, Artikulation, Dialekt, etc.).
+
==Technologische Grundlagen==
 +
ASR-Systeme bestehen aus mehreren Verarbeitungsschritten, die hier kurz erläutert werden:
 +
===Vorverarbeitung des Sprachsignals===
 +
Analoge Sprachsignale werden digitalisiert und in sogenannte Kurzzeitspektren zerlegt. Diese Spektren bilden die Grundlage für die weitere Verarbeitung (Ruske, 1994, S. 11).
  
−
Weiterhin bestehen Unterschiede in der Qualität der Aufnahme.  
+
===Merkmalsextraktion===
 +
Akustische Merkmale wie Frequenzspektren und Lautheit werden extrahiert. Dabei kommen Methoden wie die lineare Prädiktion oder Mel-Frequenz-Cepstrum-Koeffizienten (MFCC) zum Einsatz (Ruske, 1994, S. 16).
  
−
Schon früh gelang es Systeme zu entwickeln, die in schalldichten Räumen mit hochwertigen Mikrofonen mündliche Äußerungen erkennen konnten. Doch um die Automatische Spracherkennung flächendeckend nutzten zu können, gilt es auch mit einer qualitativ schlechteren Übertragung über das Telefonnetz erfolgreich zu sein und auch akustische Störquellen wie Rauschen oder auch Hintergrundgeräusche herauszufiltern.
+
===Klassifikation===
 +
Moderne Klassifikationsmethoden wie HMMs oder neuronale Netze analysieren die extrahierten Merkmale, um die wahrscheinlichsten Wörter oder Wortfolgen zu identifizieren (Botsch, 2023, S. 246).
  
−
Um das Problem der Variabilität zu lösen, muss das Erkennungsmuster, mit dem das System das Eingangssignal vergleicht, einerseits so weit gewählt werden, dass alle Realisierungen (also von verschiedenen Sprechern, in verschiedenen Tonlagen, etc.) erkannt werden. Andererseits darf dieses Muster aber auch nicht zu generell gehalten werden, um die Verwechslung mit anderen, ähnlichen Wörtern zu vermeiden.
+
===Sprachmodellierung===
 +
Sprachmodelle wie Trigramme oder Transformer-Modelle berechnen die Wahrscheinlichkeit von Wortfolgen und ermöglichen so eine semantische Analyse der erkannten Sprache (Ruske, 1994, S. 167; Botsch, 2023, S. 247).
  
−
=== Komplexität ===
 
−
Um so größer der verwendete Wortschatz, desto mehr Satzkombinationen werden möglich und desto größer wird das Suchproblem. Ein größerer Wortschatz erfordert somit eine höhere Rechenleistung des Computers. Das ist sicherlich (unter anderem) der Grund dafür, dass erfolgreiche Spracherkennungssysteme, mit großem Wortschatz und einer geringen Wortfehlerrate, erst in den letzen 20 Jahren entstanden sind.
 
  
  
−
== Vorgehensweise ==
+
[[Bild:VorgehensweiseSpracherkennung.jpg]]
−
[[Bild:Vorgehensweise.jpg]]
 
  
 
Die Abbildung zeigt stark vereinfacht den Aufbau eines Spracherkennungssystems.  
 
Die Abbildung zeigt stark vereinfacht den Aufbau eines Spracherkennungssystems.  
  
−
Im ersten Schritt werden die analogen Eingangssignale, also die Sprache, digitalisiert. Bei der Vorverarbeitung müssen weiterhin die Datenmengen auf das Wesentliche reduziert werden und auch die in 2.2 erklärten Störfaktoren, die auf die Variabilität der gesprochenen Sprache zurückzuführen sind, herausgefiltert werden. Die Daten liegen nach der Vorverarbeitung als sogenannte Referenz- oder Merkmalvektoren vor.
+
Im ersten Schritt werden die analogen Eingangssignale, also die Sprache, digitalisiert. Bei der Vorverarbeitung müssen weiterhin die Datenmengen auf das Wesentliche reduziert werden und auch die in 2.2 erklärten Störfaktoren, die auf die Variabilität der gesprochenen Sprache zurückzuführen sind, herausgefiltert werden. Die Daten liegen nach der Vorverarbeitung als so genannte Referenz- oder Merkmalvektoren vor.
  
−
Um die passenden Phoneme zu finden, werden Hidden-Markov-Modelle (HMM) eingesetzt. Dazu werden die akustischen Modelle der Phoneme in Einzelteile zerlegt (je nach Phonemlänge ein Anfangsteil, mehrere Mittelteile und ein Schlussteil). Diese im System gespeicherten Modelle werden dann mit den Eingangssignalen verglichen. Man verwendet verschiedene Algorithmen, um das wahrscheinlichste Phonem zu berechnen.
+
Um die passenden Phoneme zu finden, werden Hidden-Markov-Modelle (HMM) eingesetzt. Dazu werden die akustischen Modelle der [[Phonem|Phoneme]] in Einzelteile zerlegt (je nach Phonemlänge ein Anfangsteil, mehrere Mittelteile und ein Schlussteil). Diese im System gespeicherten Modelle werden dann mit den Eingangssignalen verglichen. Man verwendet verschiedene Algorithmen, um das wahrscheinlichste Phonem zu berechnen.
  
 
Aus diesen Phonemen setzt dann ein Wörterbuch die möglichen Wörter oder Wortfolgen zusammen.
 
Aus diesen Phonemen setzt dann ein Wörterbuch die möglichen Wörter oder Wortfolgen zusammen.
  
−
Zum Abschluss des Erkennungsprozesses kommt ein Sprachmodell zum Einsatz, welches die Wahrscheinlichkeit der Wortkombination, also den Satzzusammenhang, berechnet und somit das vom Sprecher gemeinte Wort aus der Liste der möglichen Wörter herausfiltern soll.
+
Zum Abschluss des Erkennungsprozesses kommt ein Sprachmodell zum Einsatz, welches die Wahrscheinlichkeit der Wortkombination, also den Satzzusammenhang, berechnet und somit das vom Sprecher gemeinte Wort aus der Liste der möglichen Wörter herausfiltern soll. Dazu kann entweder ein Grammatikmodell oder eine Trigrammstatistik verwendet werden:
−
Dazu kann entweder ein Grammatikmodell oder eine Trigrammstatistik verwendet werden:
 
−
 
 
  
 
''' Grammatikgesteuerte Systeme: '''
 
''' Grammatikgesteuerte Systeme: '''
−
Kommt ein Grammatikmodell zum Einsatz muss jedem Wort eine genaue grammatikalische Funktion zugeordnet werden.  Daher kommen diese Systeme nur zum Einsatz, wenn ein eingeschränkter Wortschatz erkannt werden soll.
+
Kommt ein Grammatikmodell zum Einsatz, muss jedem Wort eine genaue grammatikalische Funktion zugeordnet werden.  Daher kommen diese Systeme nur zum Einsatz, wenn ein eingeschränkter Wortschatz erkannt werden soll.
−
 
 
  
 
'''Wahrscheinlichkeitsorientierte Systeme:'''
 
'''Wahrscheinlichkeitsorientierte Systeme:'''
−
Bei der Entwicklung von Spracherkennungssystemen haben sich wahrscheinlichkeitsorientierte Systeme bei großem Wortschatzumfang als erfolgreicher herausgestellt. Diese Art von Sprachmodellen berechnen die Kombinationswahrscheinlichkeit von (meistens) drei Wörtern. Man nennt sie deshalb '''Tri'''grammstatistiken. Durch diese Vorgehensweise wurde sogar in den meisten Fällen eine Lösung für das Problem der Homophone (z.B.: Rad /Rat) gefunden. Die Statistikwerte werden dem System durch das Einspeisen von Beispieltexten zugeführt.
+
Bei der Entwicklung von Spracherkennungssystemen haben sich wahrscheinlichkeitsorientierte Systeme bei großem Wortschatzumfang als erfolgreicher herausgestellt. Diese Art von Sprachmodellen berechnen die Kombinationswahrscheinlichkeit von (meistens) drei Wörtern. Man nennt sie deshalb '''Tri'''grammstatistiken. Durch diese Vorgehensweise wurde sogar in den meisten Fällen eine Lösung für das Problem der [[Homophonie|Homophone]] (z.B.: Rad /Rat) gefunden. Die Statistikwerte werden dem System durch das Einspeisen von Beispieltexten zugeführt.
−
 
 
  
 
== Anwendungsgebiete ==
 
== Anwendungsgebiete ==
−
Die Anwendungsgebiete der Automatischen Spracherkennung sind nach Schukat-Talamazzini (siehe Literaturliste) folgende:  
+
Die Einsatzmöglichkeiten der automatischen Spracherkennung sind vielfältig und umfassen unter anderem:
  
−
*Haushalt (z.B.: Licht, Unterhaltungselektronik)
+
===Sprachsteuerung und Assistenten===
 +
Systeme wie Alexa, Siri oder Google Assistant basieren auf ASR-Technologien und ermöglichen intuitive Interaktionen mit Geräten (Botsch, 2023, S. 244).
  
−
*Büro (z.B.: Informationsabfrage, Gerätebedienung, Diktiergeräte)
+
===Barrierefreiheit===
 +
ASR-Systeme bieten Lösungen für Menschen mit Behinderungen, z. B. durch automatische Untertitelung von Videos (Ruske, 1994, S. 186).
  
−
*Industrie (z.B.: Inventur)
+
===Medizinische Anwendungen===
 +
In der medizinischen Dokumentation oder Diagnostik wird ASR eingesetzt, um Prozesse zu beschleunigen und Genauigkeit zu verbessern (Ruske, 1994, S. 195).
  
−
*Zahlungsverkehr (z.B.: Telefonbanking (kommt heute schon erfolgreich zum Einsatz))
+
== Aktueller Stand ==
 +
Dank Fortschritten im maschinellen Lernen, insbesondere durch neuronale Netze, hat die automatische Spracherkennung in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Systeme wie Deep Neural Networks (DNN) oder Transformer-Modelle ermöglichen eine kontextbasierte Erkennung und verbessern die Präzision auch bei komplexen Aufgaben (Botsch, 2023, S. 247). Zukünftige Entwicklungen fokussieren auf die Verbesserung der Robustheit gegenüber Hintergrundgeräuschen, die Erweiterung sprachlicher Kontexte sowie die Integration multimodaler Daten wie Gestik oder Gesichtsausdrücke (Ruske, 1994, S. 169).
  
−
*Personentransport (Fahrplanauskunft)
+
==Links==
 +
*https://www.news.uzh.ch/de/articles/media/2025/Spracherkennung.html
 +
*https://hub.hslu.ch/ikm/2021/03/04/automatische-spracherkennung-in-kommunikation-und-marketing/
 +
*Wikipedia, deutsche Ausgabe, Artikel über Spracherkennung. Online verfügbar unter: [http://de.wikipedia.org/wiki/Spracherkennung], Stand: 17.08.2005
 +
*Internetseite des Projektes "Verbmobil" am DFKI. Online verfügbar unter: [http://verbmobil.dfki.de/]
  
−
*öffentliche Informationsdienste (Wettervorhersage, Veranstaltungskalender)
+
(Alle Links zuletzt am 15.01.2025 besucht)
−
 
 
−
*Ausbildung (Fremdsprachenerwerb)
 
−
 
 
−
*Medizin (Diagnosesysteme, Mikroskopie)
 
−
 
 
−
*militärischer Bereich (Waffensystemkontrolle, Flugzeugbedienung)
 
−
 
 
−
*Behindertenhilfe (Sprechtraining für Gehörlose, Fahrzeugbedienung, Filmuntertitelung)
 
−
 
 
−
Außerdem ist die Automatische Spracherkennung beispielsweise auch Teil von Automatischen Dolmetschsystemen (vgl. auch [[Maschinelle Übersetzung]]), wie zum Beispiel [[Verbmobil]], das lautsprachliche Äußerungen aus dem Bereich der Terminabsprache auf deutsch, englisch und japanisch erkennt und dann übersetzt, damit der Gesprächspartner diese versteht und auch in seiner eigenen Sprache darauf antworten kann.
 
−
 
 
−
 
 
−
== Aktueller Stand ==
 
−
Heute ist die Automatische Spracherkennung praxisreif. Die Hersteller von Spracherkennungssoftware sind Dragon Systems Inc.,IBM, Lernout&Hauspie und Philips. Diese Softwares haben einen Wortschatz von rund 50.000 bis 130.000 Wörtern (vgl. http://www.spracherkennung.de/service/sebuch.htm ). Zwar ist die Erkennung noch nicht 100% fehlerfrei, aber Hürden wie umgangssprachliche Aussagen und Dialekt stellen immer weniger Probleme dar.
 
  
 +
==Quellen==
  
−
== Literatur und Links ==
+
*Botsch, B. (2023). Maschinelles Lernen – Grundlagen und Anwendungen. Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-662-67277-8
−
*Schukat-Talamazzini, E. G., Automatische Spracherkennung, Friedr. Vieweg und Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig/Wiesbaden, 1995
+
*Ruske, G. (1994). Automatische Spracherkennung: Methoden der Klassifikation und Merkmalsextraktion (2., verbesserte und erweiterte Auflage). R. Oldenbourg Verlag.
 +
*Gibbon, Dafydd (1997): Gesprochene Sprache. http://coral.lili.uni-bielefeld.de/Classes/Summer97/ExpPhon/gibbonchap2eps/ . ( 9.7.2008 )
 +
*Kolb, Dorothee (1997): Natürlichsprachige Mensch-Maschine-Kommunikation unter Verwendung gesprochener Sprache. Magisterarbeit, Saarbrücken. S. 76. IB-282-4239
 +
*Marktübersicht Spracherkennungssoftware: http://www.softguide.de/software/spracherkennung.htm (9.7.2008)
 +
*Schukat-Talamazzini, E. G. (1995): Automatische Spracherkennung, Friedr. Vieweg und Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig/Wiesbaden
  
−
*http://www.spracherkennung.de/service/sebuch.htm (Diese Seite bietet vor allem einen ausfürlichen Überblick über die geschichtliche Entwicklung und den aktuellen Stand der Automatischen Spracherkennung)
+
==Verwandte Begriffe==
  
−
*[http://de.wikipedia.org/wiki/Spracherkennung Artikel "Spracherkennung" auf wikipedia.de] Stand: 17.08.2005
+
* [[synonymous::Spracherkennung]]
 +
* [[broader::Informationslinguistik]]
 +
* [[related::Spracherzeugung]]
 +
* [[related::Sprachsynthese]]
 +
* [[related::Sprechererkennung]]
 +
* [[english::speech recognition]]
  
−
*Marsiske, H.-A: „Endlich versteht der Computer den Menschen“, http://www.welt.de/data/2005/01/24/392563.html Stand: 17.08.2005
+
[[category:Informationslinguistik]]
 +
[[category: Software]]
  
−
*[http://www.verbmobil.dfki.de Verbmobil]
+
{{#set: ueberarbeitet-HS24=ja}}
 +
{{#set: qualitaet=gut}}
 +
{{#set: reviewed=nein}}

Aktuelle Version vom 15. Januar 2025, 14:35 Uhr

Grundlegendes

Unter automatischer Spracherkennung wird die computerbasierte Erkennung gesprochener Sprache und deren korrekte Darstellung als Text verstanden. Die automatische Spracherkennung (ASR, Automatic Speech Recognition) bezeichnet den rechnergestützten Prozess der Erkennung und Umwandlung gesprochener Sprache in Text. Ziel ist es, gesprochene Inhalte möglichst präzise und effizient in eine maschinenlesbare Form zu überführen. Neben der reinen Umwandlung gesprochener Sprache umfasst ASR oft auch die Interpretation und Analyse des Inhalts, um ihn für spezifische Anwendungen nutzbar zu machen. Hierbei kommt eine Vielzahl von Technologien und Algorithmen zum Einsatz, darunter Hidden Markov Modelle (HMM) und neuronale Netzwerke (Ruske, 1994, S. 1; Botsch, 2023, S. 244).

Probleme und Anforderungen

Die menschliche Sprache weist eine hohe Komplexität auf, die bei der automatischen Verarbeitung erhebliche Herausforderungen mit sich bringt. Diese umfassen insbesondere folgende Aspekte:

Kontinuität der Sprache

Gesprochene Sprache ist oft fließend, sodass klare Abgrenzungen zwischen einzelnen Wörtern fehlen. Dies erschwert es, Wortgrenzen zu identifizieren und den gesprochenen Text korrekt zu segmentieren (Ruske, 1994, S. 6).

Variabilität der Sprache

Die Aussprache eines Wortes kann stark variieren, abhängig von Dialekt, Sprechgeschwindigkeit, Tonlage und anderen Faktoren. Systeme müssen robust genug sein, um diese Variabilität zu verarbeiten, ohne an Genauigkeit zu verlieren (Botsch, 2023, S. 245).

Dies kann folgende Ursachen haben:

Zunächst ist die Sprecherabhängigkeit zu nennen. Jeder Sprecher verfügt über eigene stimmliche Merkmale, die von vielen Faktoren, wie zum Beispiel Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand, geprägt werden. Auch die Sprechweise jedes Menschen ist unterschiedlich (Tempo, Artikulation, Dialekt, etc.). Weiterhin bestehen Unterschiede in der Qualität der Aufnahme.

Schon früh gelang es, Systeme zu entwickeln, die in schalldichten Räumen mit hochwertigen Mikrofonen mündliche Äußerungen erkennen konnten. Doch um die automatische Spracherkennung flächendeckend nutzen zu können, gilt es auch mit einer qualitativ schlechteren Übertragung über das Telefonnetz erfolgreich zu sein und auch akustische Störquellen wie Rauschen oder auch Hintergrundgeräusche herauszufiltern.

Um das Problem der Variabilität zu lösen, muss das Erkennungsmuster, mit dem das System das Eingangssignal vergleicht, einerseits so weit gewählt werden, dass alle Realisierungen (also von verschiedenen Sprechern, in verschiedenen Tonlagen, etc.) erkannt werden. Andererseits darf dieses Muster aber auch nicht zu generell gehalten werden, um die Verwechslung mit anderen, ähnlichen Wörtern zu vermeiden.

Umgebungsgeräusche

Hintergrundgeräusche und minderwertige Aufnahmequalität können die Erkennung zusätzlich erschweren. Fortschrittliche Filter- und Signalverarbeitungsmethoden sind erforderlich, um Störungen zu minimieren (Ruske, 1994, S. 4).

Komplexität grosser Wortschätze

Mit zunehmender Grösse des Wortschatzes steigt der Rechenaufwand exponentiell. Daher müssen effiziente Algorithmen eingesetzt werden, um den Erkennungsprozess trotz großer Datenmengen zu optimieren (Botsch, 2023, S. 245).

Technologische Grundlagen

ASR-Systeme bestehen aus mehreren Verarbeitungsschritten, die hier kurz erläutert werden:

Vorverarbeitung des Sprachsignals

Analoge Sprachsignale werden digitalisiert und in sogenannte Kurzzeitspektren zerlegt. Diese Spektren bilden die Grundlage für die weitere Verarbeitung (Ruske, 1994, S. 11).

Merkmalsextraktion

Akustische Merkmale wie Frequenzspektren und Lautheit werden extrahiert. Dabei kommen Methoden wie die lineare Prädiktion oder Mel-Frequenz-Cepstrum-Koeffizienten (MFCC) zum Einsatz (Ruske, 1994, S. 16).

Klassifikation

Moderne Klassifikationsmethoden wie HMMs oder neuronale Netze analysieren die extrahierten Merkmale, um die wahrscheinlichsten Wörter oder Wortfolgen zu identifizieren (Botsch, 2023, S. 246).

Sprachmodellierung

Sprachmodelle wie Trigramme oder Transformer-Modelle berechnen die Wahrscheinlichkeit von Wortfolgen und ermöglichen so eine semantische Analyse der erkannten Sprache (Ruske, 1994, S. 167; Botsch, 2023, S. 247).


VorgehensweiseSpracherkennung.jpg

Die Abbildung zeigt stark vereinfacht den Aufbau eines Spracherkennungssystems.

Im ersten Schritt werden die analogen Eingangssignale, also die Sprache, digitalisiert. Bei der Vorverarbeitung müssen weiterhin die Datenmengen auf das Wesentliche reduziert werden und auch die in 2.2 erklärten Störfaktoren, die auf die Variabilität der gesprochenen Sprache zurückzuführen sind, herausgefiltert werden. Die Daten liegen nach der Vorverarbeitung als so genannte Referenz- oder Merkmalvektoren vor.

Um die passenden Phoneme zu finden, werden Hidden-Markov-Modelle (HMM) eingesetzt. Dazu werden die akustischen Modelle der Phoneme in Einzelteile zerlegt (je nach Phonemlänge ein Anfangsteil, mehrere Mittelteile und ein Schlussteil). Diese im System gespeicherten Modelle werden dann mit den Eingangssignalen verglichen. Man verwendet verschiedene Algorithmen, um das wahrscheinlichste Phonem zu berechnen.

Aus diesen Phonemen setzt dann ein Wörterbuch die möglichen Wörter oder Wortfolgen zusammen.

Zum Abschluss des Erkennungsprozesses kommt ein Sprachmodell zum Einsatz, welches die Wahrscheinlichkeit der Wortkombination, also den Satzzusammenhang, berechnet und somit das vom Sprecher gemeinte Wort aus der Liste der möglichen Wörter herausfiltern soll. Dazu kann entweder ein Grammatikmodell oder eine Trigrammstatistik verwendet werden:

Grammatikgesteuerte Systeme: Kommt ein Grammatikmodell zum Einsatz, muss jedem Wort eine genaue grammatikalische Funktion zugeordnet werden. Daher kommen diese Systeme nur zum Einsatz, wenn ein eingeschränkter Wortschatz erkannt werden soll.

Wahrscheinlichkeitsorientierte Systeme: Bei der Entwicklung von Spracherkennungssystemen haben sich wahrscheinlichkeitsorientierte Systeme bei großem Wortschatzumfang als erfolgreicher herausgestellt. Diese Art von Sprachmodellen berechnen die Kombinationswahrscheinlichkeit von (meistens) drei Wörtern. Man nennt sie deshalb Trigrammstatistiken. Durch diese Vorgehensweise wurde sogar in den meisten Fällen eine Lösung für das Problem der Homophone (z.B.: Rad /Rat) gefunden. Die Statistikwerte werden dem System durch das Einspeisen von Beispieltexten zugeführt.

Anwendungsgebiete

Die Einsatzmöglichkeiten der automatischen Spracherkennung sind vielfältig und umfassen unter anderem:

Sprachsteuerung und Assistenten

Systeme wie Alexa, Siri oder Google Assistant basieren auf ASR-Technologien und ermöglichen intuitive Interaktionen mit Geräten (Botsch, 2023, S. 244).

Barrierefreiheit

ASR-Systeme bieten Lösungen für Menschen mit Behinderungen, z. B. durch automatische Untertitelung von Videos (Ruske, 1994, S. 186).

Medizinische Anwendungen

In der medizinischen Dokumentation oder Diagnostik wird ASR eingesetzt, um Prozesse zu beschleunigen und Genauigkeit zu verbessern (Ruske, 1994, S. 195).

Aktueller Stand

Dank Fortschritten im maschinellen Lernen, insbesondere durch neuronale Netze, hat die automatische Spracherkennung in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Systeme wie Deep Neural Networks (DNN) oder Transformer-Modelle ermöglichen eine kontextbasierte Erkennung und verbessern die Präzision auch bei komplexen Aufgaben (Botsch, 2023, S. 247). Zukünftige Entwicklungen fokussieren auf die Verbesserung der Robustheit gegenüber Hintergrundgeräuschen, die Erweiterung sprachlicher Kontexte sowie die Integration multimodaler Daten wie Gestik oder Gesichtsausdrücke (Ruske, 1994, S. 169).

Links

(Alle Links zuletzt am 15.01.2025 besucht)

Quellen

Verwandte Begriffe



… weitere Daten zur Seite „Automatische Spracherkennung“
Unter automatischer Spracherkennung wird die computerbasierte Erkennung gesprochener Sprache und deren korrekte Darstellung als Text verstanden. +